15. April 2009 | Last auf den Schultern eines Produkts - Der ökologische Rucksack
Nach meinen zwei kurzen Reisen, eine nach Bayern und eine Segeltour auf der Ostsee mit dem "normalen" Rucksack auf dem Rücken, bin ich nun wieder im Büro und mein schlechtes Gewissen bezüglich meiner Vernachlässigung dieses Tagebuchs frisst mich fast auf;-)
Um diesem gefräßigen Monster zu entkommen, füttere ich euch jetzt mit Neuigkeiten aus dem zweiten großen Kapitel der Studie.
Bevor ich jedoch richtig beginne, möchte ich euch noch in aller Kürze an meinen Empfindungen während der Fahrt mit dem Segelschiff auf der Ostsee teilhaben lassen!
Also, etwa die Hälfte der Hamburger FÖJlerInnen ist drei Tage auf einem 30 m langen Traditionssegelschiff, der unverwechselbaren "LOVIS" vom Wind übers Meer getragen worden.
Das schreibe ich jetzt nicht einfach so, weil es literarisch klingt. Nein! Es war wirklich so.
Der Motor verstummt. Ich höre nur noch den Wind, der in die Segel schlägt. Das Meer plätschert so vor sich hin. Das Schiff schaukelt leicht hin und her. Im liegen ist das Gefühl ähnlich wie das in einer Hängematte, nur viel schöner! Blinzelnd im Sonnenlicht, sehe ich Meer und Himmel in klarem Blau und die großen weißen Segel.
Ach, ja, schön war es. Und nachhaltig zugleich!
Ein Bewusstsein und ein Streben nach Nachhaltigkeit soll auch der ökologische Rucksack schaffen.
Ihr müsst ihn euch vorstellen als ein Maß für alle Rohstoffe und Ressourcen die in einem Produkt enthalten sind. Je nach Menge und Art dieser Rohstoffe ist der Schaden an der Umwelt unterschiedlich hoch und die "Last" des ökologischen Rucksacks dementsprechend leichter oder schwerer.
Ich packe meinen Rucksack...Neben der Rohstoffgewinnung sind auch die Produktherstellung und Veredelung, der Transport und die bei Gewinnung und Herstellung anfallenden Abfälle eingepackt. Oben drauf packe ich noch den Energieverbrauch, also die freigesetzten klimaschädlichen Gase, wie CO2 oder Methan.
Das Modell geht auf ein Team um Prof. Friedrich Schmidt-Bleek - ehemals Vizepräsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie - zurück.
Um dieses Modell in Zahlen ausdrücken zu können, gibt es einen Rucksack - Faktor.
Dieser Rucksack - Faktor gibt an, wie viel Kilogramm Brennstoffe und Material aus der Natur entnommen wurden, um ein Kilogramm Grundmaterial zu erhalten. Typische Werte sind 5 für Kunststoffe, 15 für Papier, 85 für Aluminium, 500 für Kupfer und 550 000 für Gold.
Von T - Shirts und "Wie trockne ich mir die Hände ab?"
Ein Beispiel für kaum bekannte Materialflüsse ist ein schwarz gefärbtes Baumwoll-T-Shirt. Das leichte Kleidungsstück bringt es im Laufe seines Lebens insgesamt auf einen Rucksack von 4583,70 Kilogramm - in etwa das Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten.
Die Forscher betrachteten unter anderem: welches Garn wurde eingesetzt, wie haltbar ist der Stoff, wie wurde er gefärbt, wie wurde das Produkt verpackt?
Der Transport der Roh- und Halbprodukte mit Schiff, Bahn oder dem Flugzeug macht ungefähr zehn Prozent des Energiebedarfes aus.
Sparen ließe sich Sprit und damit CO2-Freisetzung wenn die Produktion an einer Stelle stattfände.
Die aufwendigste Phase ist aber der Gebrauch, und der wiederum hängt stark vom Nutzer ab.
80 Prozent des benötigten Wassers (insgesamt 4,2 Tonnen) gehen aufs Waschen zurück.
Wie umwelt- und klimaschädlich das abläuft, bestimmt der Einzelne: Wie hoch ist die Wassertemperatur, wie voll ist die Maschine, wird ein Trockner oder eine Leine genutzt? An jeder Stelle wird via Stromverbrauch über die Menge des freigesetzten CO2 entschieden.
Ein Team um Paula Sinivuori von der Universität Helsinki untersuchte, was beim Händetrocknen am umweltschonendsten ist: ein Warmluftgebläse, die Einweg-Papierhandtücher oder das Rollhandtuchsystem?
Bei der Stoffrolle - sie reicht für 200 Mal
Trocknen - berücksichtigten die Finnen Handtuchrolle, Wäsche und Transport.
Die Berechnung des Gebläses fußt auf dem Strombedarf von 2110 Watt während einer 30-Sekunden-Trocknung.
Beim Papierhandtuch wurden Material, Verpackung und Entsorgung beurteilt - beim Verbrauch nur eines Handtuches je Trocknung.
Am günstigsten schnitt die
Stoffrolle ab: Je Trocknung hat sie einen ökologischen Rucksack von 2,7 Gramm. Beim Papier waren es 17 Gramm, das Gebläse lag mit 7,2 Gramm in der Mitte.
Deutlich wird auch hier wieder: Unsere Lebensweise ist nicht ökologisch genug, um mit dieser einen Erde auszukommen. Machen wir so weiter wie bisher, bräuchten wir im Jahre 2050 bereits zwei Erden um unsere Bedürfnisse nach Nahrung, Energie und Infrastruktur zu decken. Im Moment leben wir schon um ein Viertel der Kapazität des Planeten über unseren Verhältnissen!
Das finde ich beängstigend und gleichzeitig ist es ein Ansporn dazu, sich den "Rucksack" nicht zu voll zu packen.
Falls in eurem Kleiderschrank gähnende Leere herrscht - und damit meine ich wirkliche, vollkommende Leere und nicht dieses in der Vorstellungskraft einiger Menschen existente Fehlen von Kleidungsstücken, nur weil sie einen Grund brauchen, die nächste Shoppingtour zu starten - dann überlegt euch doch mal ein öko - faires Kleidungsstück zu kaufen. Wie wäre das?
Schaut doch mal hier:
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