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Tagebuch Zukunftsfähiges Deutschland

Von Djamilah Akhzarati


Hallo, ich bin Djamilah. Ich habe von September 2008 bis Sommer 2009 mein FÖJ in der Infostelle Klimagerechtigkeit gemacht.

Lest hier mein Tagebuch und meine Kommentare zur Studie "Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt":

 

Worum geht' s?

"Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt". Die Tatsache, dass wir eine solche Studie haben, und zwar zum zweiten Mal nach der ersten Variante vor 13 Jahren - genannt: "Zukunftsfähiges Deutschland 1" - zeigt, dass wir uns seitdem nicht wirklich viel in Sachen Ressourceneffizienz und nachhaltigem Lebenswandel bewegt haben.

Und das obwohl der Klimawandel nicht erst seit heute mit rasendem Tempo voranschreitet, Umweltzerstörung auf unserem Planeten bereits vielen Arten den Lebensraum genommen hat und die Armut sich verstärkt.

In der Studie, die das Wuppertal Institut verfasst hat und dessen Herausgeber BUND, eed und Brot für die Welt sind, wird anhand konkreter Beispiele gezeigt, wie wir mehr Verantwortung für unsere Umwelt übernehmen können und dem Kreislauf der Ressourcenausbeutung entkommen können bevor auf der Erde das Licht aus geht.

Wie wir mit Alternativen in den verschiedenen Lebensbereichen einen Wandel erreichen können, das erfahrt ihr hier. Lasst euch überraschen!

Für mich persönlich bietet diese Studie eine Chance. Die Chance, unseren Lebensstandard neu zu definieren und die Welt zu einem gerechteren Ort werden zu lassen.

Morgen gibt' s dann mehr...

Bis dahin hier ein bisschen was zu lesen...

 

Kapitel A | Ausgangslagen

25.Februar 2009 | "Ich sehe was, was du nicht siehst!"

Letztens habe ich einer Veranstaltung der Geographen an der Uni gelauscht, weil ich mit dem Gedanken spiele, dieses Fach zu studieren.

Die Professorin hat uns aufgefordert, die Augen zu schließen und uns unser Bild der Erde zu vergegenwärtigen. Was ist mit der Welt los?

Was lesen, hören und sehen wir ?

Mit der Mondlandung im Jahr 1969, indem die Apollo 11 am 20. Juli zum ersten Mal Menschen auf den Mond katapultierte, exstierte plötzlich eine neue Erscheinungsform der Erde.

Damals hätten die Menschen auf die Frage nach dem Bild der Erde wohl an diese überwiegend blaue, im Universum schwebende und vom Mond aus fotografierte Kugel gedacht. Doch nicht nur die bildliche Erscheinungsform der Erde hat sich seit diesem Ereignis geändert.

Die Perspektive des Erdballs als ein zusammenhängendes, verwobenes Konstrukt hat in bedeutendem Umfang zur Globalisierung beigetragen oder ist vielleicht sogar die Geburtsstunde globalen wirtschaftlichen Handelns und hat damit auch Ausbeutung und Ungerechtigkeit auf der Welt verstärkt.

Genau diese Vorstellung habe ich von unserem Planeten, wenn ich die Augen schließe. Ich sehe vor allem:

"Homo industrialis als Klimamacher"

Ja, es gibt einen natürlichen rhythmischen Wandel von Warm - und Eiszeiten mit einer Taktung von ca. 100 000 Jahren, der auf die wandelnden räumlichen Beziehungen von Erde, Sonne und den großen Nachbarplaneten Venus, Jupiter und Saturn zurückzuführen ist.

Trotzdem: Der derzeitig aufhaltlos voranschreitende Klimawandel ist durch den Menschen ausgelöst worden.

Mit Anbruch des Industriezeitalters sicherte der Mensch sich den Zugriff auf die größten Kohlenstoffspeicher der Erde, die Wälder und nutzte zum ersten Mal fossile Lagerstätten zur Energiegewinnung. Besonders Kohle kam zum Einsatz als in vielen Teilen Europas Holznot herrschte, da die Wälder neben dem Schiff - und Häuserbau auch für die Energiegewinnung gerodet wurden. Die Erschließung des "unterirdischen Waldes" der Kohle machte sein Abfallprodukt CO2 zum prominentesten der Industriegesellschaft.

Gegenwärtig verbraucht, das heißt verbrennt die Menschheit innerhalb eines Jahres die Menge fossiler Energieträger, die die Erde innerhalb einer Million Jahre gebildet hat. Das CO2, das beim Verbrennungsprozess entsteht, kann aber nicht "mal eben" verwertet werden, sondern sein Gehalt steigt in der Atmosphäre an. Seit dem vorindustriellen Zeitalter ist der CO2 - Anteil um fast die Hälfte von 270 ppmv auf 380 ppmv gestiegen.

Was sehe ich noch?

Dazu morgen mehr...

 

26. Februar 2009 | Vom Ende des Erdöls

Unsere Klimakrise könnte man mit dem Überlaufen einer globalen Müllhalde vergleichen.

Ein weiteres ökologisches Verhängnis: Wir nutzen die Natur zusätzlich als Bergwerk.

Folge: Die Ressourcen an Erdöl und Erdgas sind bald erschöpft. Auch genannt: Peak - Oil - Krise!

Das hat auch was Gutes! Glaubt ihr nicht? Dann passt mal auf: Haben wir zuwenig dieser fossilen Ressourcen, entsteht dadurch idealerweise ein starker Ansporn für die Weltwirtschaft, Alternativen zu dieser Form der Energiegewinnung zu fördern und komplett auf die fossile Ressourcenverschwendung zu verzichten.

Oder anders ausgedrückt: Die Not macht erfinderisch! Ich hoffe nicht, dass die Kohle "neu" erfunden wird, denn das wäre für das Klima ein Disaster.

Über die vielen Alternativen zu diesen "Dreckschleudern" erfahrt ihr bald mehr...

 

2. März 2009 | Das erste Eichhörnchen vor meinem Fenster...


Es saß einfach da. Auf der Eiche, dessen Geast reichlich verzweigt und mit Moos in saftigem Grün bewachsen ist.

Dieser schöne Baum wird jeden Morgen meines Blickes gewürdigt mit der Hoffnung, vielleicht eines dieser mit rotbraunem, im Sonnenlicht glänzendem Fell ausgestatteten Tierchen vorbeihuschen zu sehen.

Schon lange habe ich einen solchen Moment nicht mehr erlebt. Der Winter hat diese Lebendigkeit vor meinem Fenster genommen. Nun ist sie wieder da! Dieses Eichhörnchen verkörpert für mich den beginnenden Frühling. Aber nicht nur das. Es bedeutet Leben. Vielfalt. Biodiversität.

Neben der Krise fossiler Ressourcen befindet sich die lebendige Vielfalt ebenfalls in einer Krise.

Die Menschen üben seit dem Beginn des Industriezeitalters einen enormen Druck auf die Ökosysteme aus und schädigen besonders durch die Nutzung fossiler Energien Wälder, Artenvielfalt, Meere und Böden.

Laut des Millennium Ecosystem Assessment haben die Ökosysteme sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts schneller gewandelt als jemals zuvor in der aufgezeichneten Geschichte.

Wer schuld daran ist, sollte klar sein: Der Mensch!

Ich wünsche mir, nicht auf meine Bekanntschaften mit den Eichhörnchen verzichten zu müssen! Der Untergang von Pflanzen und Tieren gefährdet auch unser Leben auf diesem Planeten, da wir als Lebewesen ein Teil dieser biotischen Gemeinschaft sind. Das gilt es zu begreifen. Unbedingt!

 

Zur Info...

4. März 2009 | Der fossil - zentrale Pfad - Kein Ausweg aus der Krise!

In diesen Frühlingstagen habe ich das Gefühl, dass es noch nicht zu spät ist.

Wir haben noch eine Chance, unseren Planeten zu retten! Davon bin ich fest überzeugt!

Aber fossil? Zentral?

Das klingt nicht gerade revolutionär. Ist es auch nicht!

Demnach schwören wir weiter auf Kohle, Öl, Erdgas und Atomkraft und der Ausbau erneuerbarer Energien wird von den großen Konzernen blockiert, sobald er in Kollision mit dem herkömmlichen Kerngeschäft tritt.

Die Global Player der Energiewirtschaft stülpen sich zunehmend grüne Mäntelchen über, um sich der Öffentlichkeit umweltfreundlich zu präsentieren. Auch sie investieren in zukunftsfähigen erneuerbaren Strom, ja, aber nur zu einem so geringen Teil, dass sie ihre Gewinne natürlich über die ressourcenerschöpfenden Energieträger erwirtschaften.

Unser derzeitiges System ist wenig nachhaltig, weil es auf einer Macht, - Profit, - und Interessensstruktur basiert.

Dafür haben die Verfechter des fossil - zentralen Weges kreative Lösungen: Zu viel Kohle muss ja auch nicht sein! Setzen wir doch wieder mehr auf Erdgas und die "friedliche Nutzung der Kernenergie".

Die Kohlekraftwerke, die wir bereits haben, statten wir mit der CCS - Technologie (s. unten) aus, die CO2 verflüssigt und dann unter der Erde speichert. Prima!

Der Atommüll, der ebenfalls unter die Erde kommt, freut sich bestimmt über seinen neuen Mitbewohner das CO2. Denn zusammen ist man ja bekanntlich weniger allein! Das Klima freut sich auch, denn das Treibhausgas ist weg, eingebuddelt und gelangt nicht in die Atmosphäre. Apropos: Klima und Atomkraft verstehen sich ja auch wunderbar! Und bis das Uran erschöpft ist, das dauert doch noch ewig.

Thema Erdgas: Kein Energieträger überbietet seine Popularität und Nachfrage! Die politische Dimension: Endlich kann die Europäische Union ihre Beziehungen zu Russland ausbauen und zusammen mit Nordafrika eine Erdgas - Freundschaft entwickeln, die sich über Pipelines und Versorgungsnetze verbunden fühlt.

Nee, mal im Ernst: Atomkraft ist alles andere als nachhaltig, denn auch Uran ist endlich. Bei verstärkter Nachfrage ist der Peak schnell erreicht und dann war's das. Viel schneller und plötzlicher kann es zu einem Super - Gau kommen, weltweite Wahrscheinlichkeit liegt bei 40%. Zu dieser Gefahr kommt die umweltzerstörerische radioaktive Strahlung und das Problem der Lagerung des Atommülls. Mir reicht das aus, um zu sagen: Ausstieg, und zwar sofort!

Das sieht die Atomlobby ganz anders. Sie wünscht sich einen Aufschwung in der Kernenergie, nachdem seit den Unfällen in den 70 - er und 80 - er Jahren, vielen Menschen das Risikopotential dieser Energieform bewusst ist und Atomkraft bei vielen "Out" ist.

Dafür gibt' s bald in Finnland ein neues Vorzeigekraftwerk. Der europäische Druckwasserreaktor (EPR) wird von Framatome ANP gebaut, ein Zusammenschluss des französischen Atomkonzerns Areva und der Siemens AG. Kein gutes Licht auf die Atomlobby wirft die Tatsache, dass sie sich bei der Kostenkalkulation wohl ziemlich verschätzt haben. Das Kraftwerk wird um 50% teurer als vorgesehen! Atomkraft und Zukunft? Das passt überhaupt nicht zusammen!

Zusammenfassung: Ich sage nein zum fossil - zentralen Pfad! Er beruht auf endlichen Ressourcen, die immer knapper werden. Damit steigt natürlich die Konkurrenz zwischen den Staaten. Und wer bekommt ein Stück vom Kuchen? Mal wieder die ressourcenreichen Produzenten und die wirtschaftlich starken Verbraucher.

Ressourcenarme Länder, wie z. B. in Afrika gehen leer aus. Diese Marginalisierung armer Staaten erleben wir tagtäglich. Sie gehört für mich nicht in eine zukunftsfähige und nachhaltige Welt!

Zum Weiterlesen gibt' s hier noch was...

 

 

 

 

10. März 2009 | An die Sonne...

Nicht nur, weil das Jahr 2009 das Internationale Jahr der Astronomie ist, sollten wir uns der Sonne zuwenden.

Die Sonne ist der Stern im Zentrum des Planetensystems, um den sich alles, ja wirklich alles dreht.

Nicht etwa dreht sich die Sonne um die Erde, wie es die Griechen um Poseidonius (135 - 51 v. Chr.) noch annahmen.

Nein! Seit Kopernikus und später Kepler wissen wir, dass die geozentrische Weltsicht Unfug ist.

Die Sonne ist der Mittelpunkt! Auch für das Leben auf der Erde. Sie erwärmt die Böden, die Meere, die Atmosphäre, steuert zu einem gewissen Teil (wirklich nur zu einem Teil!!!) das Klima und bringt Trockenperioden und Eiszeiten.

Durch Kernreaktionen in ihrem Innern, bei der Wasserstoff zu Helium verschmilzt, werden riesige Mengen an Energie frei. Lasst uns diese gewaltige Energie nutzen!

Auf geht' s in eine solar - vernetzte Zeit, in der wir uns von Ressourcenquälerei und Umweltzerstörung verabschieden. Da bin ich dabei, aber gefragt habe ich mich bei der Vorstellung der Studie, warum immer die Rede von der Nutzung der Solarenergie ist und weniger von Windkraft und Biomasse. Ja, die Sonne hat ihre Wichtigkeit, die ja wie gesagt eine lange Geschichte hat, aber hier in Norddeutschland bläst uns der Wind auch ganz schön um die Ohren. Der hat doch auch verdient, mehr in den Mittelpunkt zu rücken, oder?

Die Verfasser haben darauf eine Antwort: "Dabei sind alle erneuerbaren Energien im weiteren Sinne solare Energien: Solarkollektoren und Solarzellen nutzen unmittelbar die Sonne, Wind - und Wasserkraft entstehen indirekt aus der Sonnenenergie, Pflanzen bauen mittels Sonneneinstrahlung Biomasse auf, geothermische Kraftwerke nutzen die im Erdinneren gespeicherten Energieströme."

Ja, irgendwie stimmt das schon...Aber zurück zum Wesentlichen.

Wenn wir in einer Welt reich an erneuerbaren Energien leben wollen, geht das nur mit einer Wende zur Energiespargesellschaft! Wir sollten unseren Pro - Kopf - Energieverbrauch in Europa bis zum Jahr 2050 auf ein Drittel senken.

Also, liebe Ingenieure, lasst eurer Kreativität freien Lauf und entwickelt energiesparende Geräte und Fahrzeuge, denn das ständige "Du musst sparen", heißt ja nicht, dass wir unser Leben zurück in die Steinzeit führen.

Aber: Es bedeutet schon, dass wir uns häufiger die Frage stellen sollten: "Wie viel ist nötig?" Muss denn alles immer schneller, weiter und höher sein? Ich mag's auch gerne mal langsamer und werde jetzt entschleunigend zu Fuß an der Elbe spazieren gehen und die Frühlingssonne genießen. Die Quelle der erneuerbaren Energien und der Weg hin zu mehr Gerechtigkeit!

Ein wenig entschleunigt läuft das Leben im Ökodorf Sieben Linden. Und: Erneuerbare Energien gehören zum Alltag!

Hier findet ihr Infos auch zu Seminaren, Workshops und Ferien im Dorf sowie einen Link zum Film "Menschen, Taten, Träume" über das Leben in Sieben Linden.

 

Kapitel B | Bilanzen

15. April 2009 | Last auf den Schultern eines Produkts - Der ökologische Rucksack

Nach meinen zwei kurzen Reisen, eine nach Bayern und eine Segeltour auf der Ostsee mit dem "normalen" Rucksack auf dem Rücken, bin ich nun wieder im Büro und mein schlechtes Gewissen bezüglich meiner Vernachlässigung dieses Tagebuchs frisst mich fast auf;-)

Um diesem gefräßigen Monster zu entkommen, füttere ich euch jetzt mit Neuigkeiten aus dem zweiten großen Kapitel der Studie.

Bevor ich jedoch richtig beginne, möchte ich euch noch in aller Kürze an meinen Empfindungen während der Fahrt mit dem Segelschiff auf der Ostsee teilhaben lassen!

Also, etwa die Hälfte der Hamburger FÖJlerInnen ist drei Tage auf einem 30 m langen Traditionssegelschiff, der unverwechselbaren "LOVIS" vom Wind übers Meer getragen worden.

Das schreibe ich jetzt nicht einfach so, weil es literarisch klingt. Nein! Es war wirklich so.

Der Motor verstummt. Ich höre nur noch den Wind, der in die Segel schlägt. Das Meer plätschert so vor sich hin. Das Schiff schaukelt leicht hin und her. Im liegen ist das Gefühl ähnlich wie das in einer Hängematte, nur viel schöner! Blinzelnd im Sonnenlicht, sehe ich Meer und Himmel in klarem Blau und die großen weißen Segel.

Ach, ja, schön war es. Und nachhaltig zugleich!

Ein Bewusstsein und ein Streben nach Nachhaltigkeit soll auch der ökologische Rucksack schaffen.

Ihr müsst ihn euch vorstellen als ein Maß für alle Rohstoffe und Ressourcen die in einem Produkt enthalten sind. Je nach Menge und Art dieser Rohstoffe ist der Schaden an der Umwelt unterschiedlich hoch und die "Last" des ökologischen Rucksacks dementsprechend leichter oder schwerer.

Ich packe meinen Rucksack...Neben der Rohstoffgewinnung sind auch die Produktherstellung und Veredelung, der Transport und die bei Gewinnung und Herstellung anfallenden Abfälle eingepackt. Oben drauf packe ich noch den Energieverbrauch, also die freigesetzten klimaschädlichen Gase, wie CO2 oder Methan.

Das Modell geht auf ein Team um Prof. Friedrich Schmidt-Bleek - ehemals Vizepräsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie - zurück.

Um dieses Modell in Zahlen ausdrücken zu können, gibt es einen Rucksack - Faktor.

Dieser Rucksack - Faktor gibt an, wie viel Kilogramm Brennstoffe und Material aus der Natur entnommen wurden, um ein Kilogramm Grundmaterial zu erhalten. Typische Werte sind 5 für Kunststoffe, 15 für Papier, 85 für Aluminium, 500 für Kupfer und 550 000 für Gold.

 

Von T - Shirts und "Wie trockne ich mir die Hände ab?"

Ein Beispiel für kaum bekannte Materialflüsse ist ein schwarz gefärbtes Baumwoll-T-Shirt. Das leichte Kleidungsstück bringt es im Laufe seines Lebens insgesamt auf einen Rucksack von 4583,70 Kilogramm - in etwa das Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten.

Die Forscher betrachteten unter anderem: welches Garn wurde eingesetzt, wie haltbar ist der Stoff, wie wurde er gefärbt, wie wurde das Produkt verpackt?

Der Transport der Roh- und Halbprodukte mit Schiff, Bahn oder dem Flugzeug macht ungefähr zehn Prozent des Energiebedarfes aus.

Sparen ließe sich Sprit und damit CO2-Freisetzung wenn die Produktion an einer Stelle stattfände.

Die aufwendigste Phase ist aber der Gebrauch, und der wiederum hängt stark vom Nutzer ab.

80 Prozent des benötigten Wassers (insgesamt 4,2 Tonnen) gehen aufs Waschen zurück.

Wie umwelt- und klimaschädlich das abläuft, bestimmt der Einzelne: Wie hoch ist die Wassertemperatur, wie voll ist die Maschine, wird ein Trockner oder eine Leine genutzt? An jeder Stelle wird via Stromverbrauch über die Menge des freigesetzten CO2 entschieden.

Ein Team um Paula Sinivuori von der Universität Helsinki untersuchte, was beim Händetrocknen am umweltschonendsten ist: ein Warmluftgebläse, die Einweg-Papierhandtücher oder das Rollhandtuchsystem?

Bei der Stoffrolle - sie reicht für 200 Mal Trocknen - berücksichtigten die Finnen Handtuchrolle, Wäsche und Transport.

Die Berechnung des Gebläses fußt auf dem Strombedarf von 2110 Watt während einer 30-Sekunden-Trocknung.

Beim Papierhandtuch wurden Material, Verpackung und Entsorgung beurteilt - beim Verbrauch nur eines Handtuches je Trocknung.

Am günstigsten schnitt die Stoffrolle ab: Je Trocknung hat sie einen ökologischen Rucksack von 2,7 Gramm. Beim Papier waren es 17 Gramm, das Gebläse lag mit 7,2 Gramm in der Mitte.

Deutlich wird auch hier wieder: Unsere Lebensweise ist nicht ökologisch genug, um mit dieser einen Erde auszukommen. Machen wir so weiter wie bisher, bräuchten wir im Jahre 2050 bereits zwei Erden um unsere Bedürfnisse nach Nahrung, Energie und Infrastruktur zu decken. Im Moment leben wir schon um ein Viertel der Kapazität des Planeten über unseren Verhältnissen!

Das finde ich beängstigend und gleichzeitig ist es ein Ansporn dazu, sich den "Rucksack" nicht zu voll zu packen.

Falls in eurem Kleiderschrank gähnende Leere herrscht - und damit meine ich wirkliche, vollkommende Leere und nicht dieses in der Vorstellungskraft einiger Menschen existente Fehlen von Kleidungsstücken, nur weil sie einen Grund brauchen, die nächste Shoppingtour zu starten - dann überlegt euch doch mal ein öko - faires Kleidungsstück zu kaufen. Wie wäre das?

Schaut doch mal hier:

28. Mai 2009 | Vom Mampfen und Schlürfen...

Heute mal ein kleines Gedicht:

2 Tonnen CO2 stecken im Essen bei jedem

das ist eigentlich nicht zu vergeben

 

2 bis 3 Tonnen müssten reichen für den gesamten Konsum

unserer Erde dann bliebe ihr Artenreichtum

 

Frag' dich: Wie kann ich das ändern?

Kein Obst und Gemüse aus fernen Ländern

 

Weniger Fleisch verzehren, Käse und Butter

und vor allem kein Fertigfutter

 

5000 g CO2 sparen?

Statt Pommes rette das Klima beim Kartoffeln garen

 

Am liebsten Bio und Regional

natürlich viel Gemüse und saisonal

 

Zum Fleisch zurück: Was ist so schlimm?

der große Flächenverbrauch macht keinen Sinn

 

Futtermittel - meist Soja - sind genmanipuliert

und der Anbau von Konzernen wie Monsanto, Syngenta und Bayer armen Bauern aufoktruiert

 

Ein Drittel der gekauften Lebensmittel landen in der Tonne

die Hälfte davon wären beim Verzehr gewesen eine Wonne

 

Wie kannst du nun retten unsere Erde?

Ein Mensch ich werde mit der wichtigsten Frage: Was brauche ich wirklich zum Leben?

8. Juni 2009 | "Das weiß doch jedes Kind!"

Letzten Donnerstag war der Umwelt - Kindertag der BUNDjugend, wo ich neben dem FÖJ mit einer Gruppe von jungen Leuten umweltpolitische öffentlichkeitswirksame Aktionen mache und bei Jugendfreizeiten und Kinderfesten als Betreuerin dabei bin.

Unter dem Titel "Hokus Globus Fidibus" gab es an jenem Tag verschiedene Mitmach - Stationen für Grundschulkinder, die schon immer etwas zu den Themen "Eine Welt" und "Fairer Handel" wissen wollten.

Meine Station hieß "Augen auf beim Einkauf" und machte den Kindern bewusst, dass auch sie durch ihren Einkauf zu einer gerechteren Welt beitragen können.

Wir haben einen kleinen Supermarkt - Tisch aufgebaut, der von Gemüse und Obst über Joghurt bis Fisch vieles zu bieten hatte. Die Kinder kauften fleißig ein, jedoch vorsicht: Möglichst gesund, regional und bio sollte es sein!

Bio? Was ist das? "Das weiß doch jedes Kind," hörte ich zu meinem Erstaunen sehr oft. "Bio bedeutet, dass kein Gift auf die Felder gespritzt wird, stimmt' s?", fragt mich ein kleiner Junge.

Auf die Frage, warum regionales Obst besser sei als jenes, das einen langen Transportweg hinter sich hat, antwortete die kleine Marie entschlossen: "Durch den langen Transport werden die Äpfel hin und her geschüttelt und bekommen ganz viele Beulen. Dann werden sie schneller schlecht, wenn wir sie kaufen."

Sie hat begriffen, dass es unlogisch ist, Obst und Gemüse durch die halbe Welt zu fahren. Und das, obwohl sie gerade mal die Grundschule besucht. Diese Tatsache müsste für Erwachsene doch nicht so schwierig zu begreifen sein, oder? Die Kinder und ich wünschen uns, dass diese Botschaft sie ganz bald erreicht! Sicherlich werden einige hamburger Kinder künftig beim Einkauf ihrer Eltern die Ananas oder Mango verneinen, sich für Bio - Produkte einsetzen und den Fair - Trade Kakao dem konventionellen vorziehen. Wenn die Erwachsenen es nicht schaffen, dann machen die Kinder eben die Öko - faire Revolution!

10. Juni 2009 | Klimavorverhandlungen in Bonn

Klimapolitik. Die bereitet Aktivisten und Politikern und ganz besonders Betroffenen des Klimawandels aus allen Teilen der Welt große Kopfschmerzen.

Noch bis Freitag laufen nämlich die seit dem 1. Juni stattfindenden Klimavorverhandlungen des Kyoto - Nachfolgeprotokolls, das im Dezember in Kopenhagen verhandelt werden soll.

Nur wenn die Minister der verschiedenen Länder also ordentlich arbeiten, kommt ein neues Abkommen zustande.

Aus Zwischenberichten weiß ich, dass über viele Themen noch sehr große Uneinigkeit herrscht. Z. B. was die Anpassungsfonds angeht. Anpassungsfond bedeutet, dass die Verursacher des Klimawandels, also die Industrieländer, eine Summe Geld in einen Fond zahlen, der den Leidtragenden des Wandels für Anpassungsmaßnahmen zur Verfügung steht. Ungefähr 70 Milliarden Euro müssten in diesen Fond hinein, jedoch haben die Industrienationen bis heute noch nicht verbindlich zugesichert, dass sie dieses Geld auch wirklich zur Verfügung stellen.

Es bewegt sich also leider wenig in den Verhandlungen. Das schlimme ist, dass die Unbeweglichkeit der verantwortlichen Länder Millionen von Menschen in den armen Ländern des Südens ihre Lebensgrundlagen nimmt. Eine Studie von Oxfam hat ergeben, dass in den nächsten sechs Jahren rund 375 Millionen Menschen durch den Klimawandel in Not geraten. Das sollte doch eigentlich Grund genug sein, damit die Politiker insbesondere der Industrienationen Verantwortung zeigen. Verpflichtende Reduktionen der Treibhausgasemissionen und Zahlung in die Anpassungsfonds wären das mindeste, das Resultat bei diesem Gipfel sein müsste!

Um die Menschen zu mehr Engagement im Klimaschutz aufzufordern, fand am Samstag, den 6. Juni in Bonn ein Klimaaktionstag mit vielen bunten Aktionen statt. Eigentlich wollte ich mit meiner BUNDjugend – Gruppe auch daran teilnehmen, hatte mir das Wochenende aber schon anderweitig verplant.

Um die 500 AktivistInnen aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt kamen nach Bonn, um die Botschaft „Yes, we can!“ u. a. über ein Luftbild aus mehreren Hundert Menschen zu verbreiten.

Ja, wir können es schaffen unsere Erde zu retten! Unter der Bedingung, dass die Regierungsvertreter aus über 100 Ländern ein starkes, nach dem Kyoto – Protokoll zweites völkerrechtlich verbindliches Klimaschutz – Abkommen verhandeln! Denn entgegen der Meinung unseres Wirtschaftsministers Guttenberg, dass Klimaschutz in der Finanzkrise ein Luxus sei, hat Greenpeace festgestellt, dass massive Investitionen in grüne Technologien die Konjunktur beleben und das Klima schützen würden. Ca. 110 Milliarden Euro im Jahr müssten die Industrienationen aufbringen, um den weltweiten Treibhausgasausstoß zu begrenzen. Das sind 8 Milliarden Euro mehr als in die Rettung der Hypo Real Estate Bank geflossen sind.

Der Spruch von Greenpeace „Wäre die Welt eine Bank, hättet ihr sie schon längst gerettet“ bringt es auf den Punkt.

Weitere Infos hier: