Die Klima-Demo

Klimademonstration am 12.12.2009 in Kopenhagen (Foto: M. Haasler)(16.12.2009) Vom 11.-13.Dezember 2009 war auch unsere FÖJlerin Janina Langner in Kopenhagen und hat am großen Demonstrationszug teilgenommen. Hier schildert sie ihre Erlebnisse: "Etwa fünfzig Personen starteten am Freitag, den 11. Dezember vom Hamburger ZOB aus eine Reise nach Kopenhagen, wo seit dem 7. Dezember die Weltklimaverhandlungen stattfinden.
Für Kurzentschlossene hatte die BUNDJugend in Hamburg noch einen Bus organisieren können, mit dem auch ich in ein ungewisses Wochenende fuhr. Die Stimmung im Bus war weder angespannt, noch von Unsicherheit geplagt- und das, obwohl wahrscheinlich niemand genau wusste, wo er die Nacht im kühlen Norden verbringen wird. Jung und Alt saßen mit mir im Bus und alle hatten ein Ziel: wir wollten in Kopenhagen ein Zeichen setzen und auf die dringende Notwendigkeit erfolgreicher Klimaverhandlungen aufmerksam machen. Die Demonstrationen waren bereits geplant und angekündigt, die dänische Polizei hatte zahlreiche provisorische Maßnahmen getroffen. So blieb es nicht aus, dass wir von der Reiseleitung über Tränengas und Wasserwerfer aufgeklärt wurden als wir, zu unserer Erleichterung, ohne Probleme die dänische Grenze passierten. Die Reise ins Ungewisse nahm deutlich an Spannung an.
Angekommen am Kopenhagener Hauptbahnhof wurden wir von einer Gruppe BUND(Jugend)-Leuten empfangen, die uns die freudige Botschaft mitteilten, dass wir in einem nahe gelegenen Massenlager noch Unterkunft finden können. Nach einer kurzen Busfahrt im gerammelt vollen Linienbus konnten wir etwa um Mitternacht das Lager in einer Fabrikhalle betreten und unsere Isomatten ausbreiten. Von Luxus keine Spur! Mit Ohrenstöpseln und eingekuschelt im Schlafsack lies sich die Nacht allerdings wider Erwarten gut überstehen. Am nächsten Morgen hieß es: anstellen. Für geschätzte 500 bis 1000 Aktivistinnen und Aktivisten standen zwei richtige Toiletten, eine Dusche und zwei Waschbecken zum Zähneputzen bereit. Obwohl sich die Organisatoren bemühten, die Kapazitäten zu erweitern, kam man um das Warten nicht herum. Da wurden Einige kreativ und bauten provisorische „Donnerbalken“ oder putzten sich die Zähne in der Dusche. Ich war erstaunt, mit welcher Überzeugung die Menschen aus verschiedensten Ländern nach Kopenhagen reisten und unter welchen Umständen sie bereit waren zu demonstrieren. Glücklicherweise wurde neben unserem Massenlager eine so genannte „Volksküche“ eingerichtet, wo mit Hilfe von Spenden und ehrenamtlicher Unterstützung jeden Tag drei Mahlzeiten, Kaffee und Tee angeboten wurden. Nach einem Frühstück auf dem Boden sollte es endlich richtig losgehen für uns.
Wir fanden nach einem kleinen Fußmarsch eine S-Bahnstation, von wo aus es nur zwei Stationen zum Hauptbahnhof waren. Dort angekommen sahen wir schon die „Blaue Welle“, die erste Aktion für Samstag, den 12. Dezember 2009. Zahlreiche Demonstranten liefen in blauen Capes gekleidet über Kopenhagens Straßen und stellten eine Flutwelle dar. Symbolisch sollte das wohl für den drohenden Meeresspiegelanstieg stehen und war aufgrund der Masse der Menschen sehr eindrücklich. Wir selbst waren leider nicht in blau gekleidet, konnten uns aber problemlos dem friedlichen Zug anschließen. Der Marsch endete auf einem großen Platz, von wo aus auch die große Demonstration starten sollte. Bis dahin hatten wir aber noch Zeit und konnten e in wenig durch die Einkaufsstraßen schlendern, die ganz in der Nähe waren. Gekauft haben wir nichts, aber wir haben ein Geschäft gefunden, in dem wir heißen Kakao geschenkt bekommen haben- perfekt für das kalte Wetter! Bei dieser kleinen Erkundungstour sind wir auch an dem riesigen Ballon vorbeigekommen, der darstellt wie viel eine Tonne (CO2) ist. Ich kannte den Ballon schon von Bildern, aber als wir auf einmal direkt davor standen, war ich geschockt, wie riesig er tatsächlich ist. Eine Tonne CO2 ist wirklich eine Menge!
Pünktlich um 13 Uhr standen wir wieder auf dem großen Platz, um bei der großen Demo dabei sein zu können. Es begann eher zäh. Auf einer Bühne versammelten sich verschiedene Redner und klärten über verschiedene Fakten des Klimawandels auf- zumindest vermute ich das. Von unserem Standpunkt aus konnten wir leider weder die Bühne sehen, noch konnten wir aufgrund der schlechten Akustik verstehen, was gesprochen wurde. So standen wir also anderthalb Stunden in einer Menschenmenge, die darauf drängte los zu gehen, ohne zu wissen, wann es denn wirklich los gehen sollte. Bei der eisigen Kälte wünschte ich mich zurück du dem Kakaoausschank und war doch erstaunt, wie gelassen all die Menschen auf das lange Warten reagierten.
Als sich die Menge mehr und mehr in Bewegung setzte, waren wir froh, uns endlich wieder warm laufen zu können. Einige hatten sich Protestschilder besorgt auf denen Sprüche wie „BLA BLA BLA. ACT NOW!“ oder „T HERE IS NO PLANET B“ standen. Mit Schildern bewaffnet, aufwendig verkleidet, mit Trillerpfeifen oder Musikinstrumenten begann der riesige Demonstrationszug durch Kopenhagens Straßen zu laufen. Auch diese Aktion war sehr friedlich. Es wurde gesungen, getanzt und gelacht, von der dänischen Polizei war kaum eine Spur zu sehen. Wir folgten dem Zug etwa zwei Stunden. Mal hielten wir an um ein Spektakel zu beobachten, mal setzten wir uns bei Aufforderung auf den Boden, nur um dann bei erneuter Aufforderung wieder aufzuspringen und loszurennen. Es war ein buntes Treiben in dem man sich so sehr verbunden gefühlt hat. Egal ob jung oder alt, groß oder klein, dänisch oder einer anderen Nationalität angehörig. Wir alle hatten die gleiche Forderung: „CLIMATE JUSTICE NOW!“. Völlig erschöpft liefen wir um frühen Abend zurück zu unserem Lager und verspeisten eine lecker dampfende Suppe von der Volksküche. Der Tag war wirklich aufregend! Sehr früh legten wir uns in den Schlafsack, um uns auszuruhen, aber die meisten von uns sollten für diesen Abend nicht mehr aufstehen. Zu schön war es, wieder im Warmen zu liegen.
Der nächste Morgen verlief ähnlich wie am Vortag, aber diesmal hatte man seine Tricks. Man wusste bei welcher Toilette es sich mehr lohnte sich anzustellen und welcher Brotaufstrich von der Volksküche am Besten schmeckte. Wir gingen den Tag ruhig und entspannt an, packten zufrieden unsere Sachen und verließen das Massenlager garantiert ein bisschen wehmütig. Es war doch eine erlebnisreiche und vor allem unbeschwerte Zeit, in der man netten und interessanten Menschen begegnet ist. Wir meisterten den Weg zum Hauptbahnhof und hatten bis zur Abfahrt unseres Busses noch Zeit, die Gegend zu erkunden. Da war sogar ein kurzer Besuch im Klimaforum drin, wo ich mich sehr gerne länger aufgehalten hätte.
Als wir voll bepackt das warme Bahnhofsgebäude verließen, um zum Bus zu laufen, sprach uns ein dänischer Polizist an, der wohl schon länger bei den Leuten von uns stand, die sich im Bahnhof aufwärmten, während wir im Klimaforum waren. Der Polizist fragte uns, ob wir gerade kommen oder gehen. Als wir ihm sagten, dass wir uns auf die Heimreise machen war er fast verwundert und fragte, ob wir hier denn schon fertig wären und warum wir schon nach Hause fahren. Eine von uns antwortete, wir müssen Morgen wieder in die Schule gehen. Bei diesem Satz grinste der Polizist noch mehr, als er es schon vorher getan hat und schien ganz begeistert von dieser „Vernunft“. Er wünschte uns eine gute Fahrt und die sollten wir haben. Waren wir doch alle froh, zu Hause wieder unter die Dusche und anschließend in ein gemütliches Bett schlüpfen zu können.
Leider hörte ich heute, dass es bei der Demonstration am Samstag zum Ende hin doch noch zu Ausschreitungen gekommen sein soll. Ich finde es sehr schade und erschreckend, wie schnell kurzer Prozess gemacht wird und sogar Unschuldige gefangen genommen werden. Ich habe miterlebt wie einfach und friedlich so eine Demonstration ablaufen kann. Respektvoll auf beiden Seiten und auf keinen Fall weniger fordernd oder eindrücklich. Es ist schade, dass es immer wieder Menschen gibt, die eine friedliche Aktion eskalieren lassen, aber ich befürchte, solange es Demonstrationen gibt und geben wird, war und wird es immer so sein…"
von Janina Langner
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