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Agora Energiewende bestätigt:

Deutschland verfehlt Klimaziele krachend

11.10.2017 | Deutschland wird das Klimaziel 2020 nicht erreichen. Davor hat das IWR-Institut aus Münster schon 2013 gewarnt. Doch es kommt wohl noch schlimmer.

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Das Berliner Beratungsbüro Agora Energiewende bestätigt in einer aktuellen Analyse, dass Deutschland den Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 nicht wie angepeilt um 40 Prozent gegenüber 1990 verringern kann. Die Lücke ist enorm.

Klimaschutz-Lücke für Deutschland klafft auseinander

Ohne weitere Anstrengungen wird Deutschland sein Klimaschutzziel für 2020 drastisch verfehlen, teilt die Agora Energiewende, die Teil der "Smart Energy for Europe Platform (SEFEP) gGmbH" ist und hinter der die Stiftung Mercator sowie die "European Climate Foundation" als Gesellschafter stehen. Der Ausstoß von Treibhausgasen wird nach Angaben der Politik- und Marktbeobachter bis 2020 gegenüber dem Basisjahr 1990 lediglich um 30 bis 31 Prozent zurückgehen. Das Ziel der Bundesregierung liegt aber bei einer Treibhausgas-Reduktion von 40 Prozent. Dies habe man in einer aktuellen Analyse ermittelt, für die die offizielle Prognose der Bundesregierung - der sogenannte Projektionsbericht – mit neuesten verfügbaren Daten aktualisiert worden sei. Im Projektionsbericht nimmt die Regierung bislang an, dass bis 2020 ein Rückgang von rund 35 Prozent erreicht wird. Die Handlungslücke beträgt laut Agora 120 Millionen Tonnen CO2.

Graichen: Trump wird uns das Scheitern beim Klimaziel „unter die Nase reiben“

Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende ordnet ein: „Nur 30 Prozent statt 40 Prozent weniger CO2 ist nicht ein bisschen daneben, das wäre eine krachende Verfehlung des Klimaziels für 2020. Hier muss die nächste Bundesregierung ganz schnell nachlegen, um wenigstens in die Nähe ihres vielfach bestätigten Ziels zu kommen.“ „Ein Scheitern beim Klimaziel 2020 schade nicht nur dem Klima, sondern auch Deutschlands internationaler Rolle", so Graichen. Der Agora-Direktor warnt: „Bei der nächsten Gelegenheit wird Herr Trump uns das genüsslich unter die Nase reiben, nachdem er beim G20-Gipfel im Juli von Deutschland in Klimafragen isoliert wurde.“

Agora: Neue Regierung muss Sofortprogramm "Klimaschutz 2020" auflegen

Für die immer weiter klaffende Lücke gibt es laut Agora mehrere Ursachen: So seien die Preise für CO2-Emissionsrechte, Heizöl, Diesel, Gas und Benzin niedriger als bislang angenommen. Zudem wachsen Wirtschaft und Bevölkerung stärker als im Projektionsbericht der Bundesregierung prognostiziert. Das führe insgesamt zu einem stärkeren Einsatz fossiler Brennstoffe, zum Beispiel in der Kohleverstromung, bei Ölheizungen sowie im Verkehr. Um noch so nah wie möglich an das Klimaschutzziel 2020 zu kommen, sei ein unmittelbar im Koalitionsvertrag verankertes Sofortprogramm „Klimaschutz 2020“ unumgänglich, so Agora.

IWR nicht überrascht: Offshore-Windenergie, Photovoltaik und Bioenergie politisch ausgebremst

Das IWR hat bereits 2013 berechnet, dass im Energiesektor die CO2-Emissionen von etwa 800 Mio. t in 2012 auf 600 Mio. t und damit innerhalb weniger Jahre um weitere 200 Mio. t gesenkt werden müssten, bereits vor knapp vier Jahren laut IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch eine „völlige Illusion“. Auf dem Stromsektor war bereits zu dem Zeitpunkt keine signifikante Senkung der CO2-Emissionen zu erwarten. Zwar wird die Offshore-Windenergie ausgebaut, aber diese CO2-freie Stromproduktion kompensiert lediglich die Stromerzeugung der ausfallenden Kernkraftwerke. Der Windenergie-Ausbau an Land, die Photovoltaik und die Bioenergienutzung wurden politisch ausgebremst.

 

Der Artikel ist zuerst auf IWR Online erschienen und wurde abgeändert.

Lucie Wank, FÖJlerin der Infostelle Klimagerechtigkeit