SCHLIESSEN

Suche

Artikel von taz.de

Hannover stellt bis 2023 auf Elektrobusse um

06.07.2018 | Die Hannoversche Verkehrsgesellschaft Üstra will im Stadtkern Hannovers ab 2023 ausschließlich Elektrobusse fahren lassen. „Es geht dabei um alle Busse, die in der City, also der Umweltzone von Hannover, fahren“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Hier sei die Luft besonders schlecht.

Foto: ÜSTRA Hannoversche Verkehrsbetriebe Aktiengesellschaft

 

 

 

Die Grenzwerte für Stickstoffdioxid werden an an mehreren Hauptstraßen in Hannover überschritten. Die Stadtteile, die weiter außerhalb lägen, könnten in einem zweiten Schritt mit Elektrobuslinien versorgt werden, sagt Iwannek. „Die City allein ist schon eine große Herausforderung.“ Denn die Busse müssen erst einmal beschafft werden. Andere Städte klagen über Lieferengpässe. In Hannover aber ist man optimistisch: Wenn die Nachfrage so groß sei, werde in der Regel auch die Produktionskapazität erhöht, sagt der Üstra-Sprecher. „Wir gehen davon aus, dass die Preise tendenziell sinken werden.“

Schon jetzt belastet der Kauf der Elektrobusse die Wirtschaftsplanung des Verkehrsunternehmens nicht groß. Die Üstra geht davon aus, dass die 48 Elektrobusse rund 60 Millionen Euro kosten werden. Weil Elektromobilität jedoch vom Bund und dem Land Niedersachsen gefördert werde, blieben noch rund 30 Millionen Euro für die Üstra übrig. Da ohnehin neue Busse in der Zeit bis 2023 gekauft werden müssten, blieben Mehrkosten von rund 200.000 Euro. Bereits bis 2021 sollen die nötigen Schnellladestationen auf den Strecken eingerichtet werden. Die Üstra kauft bereits seit 2012 keine Diesel-Busse mehr, sondern hatte seither auf Hybrid-Busse gesetzt. In der Flotte hätten von den 137 Bussen zum jetzigen Zeitpunkt nur 60 einen reinen Dieselmotor. 

 

Elektrobusse - eine gelungene Alternative

Ein Testversuch auf einer der Ringlinien in Hannover war bereits erfolgreich. Die 16 km lange Strecke der Linie mit 42 Haltestellen konnte reibungslos mit den Elektrobussen bedient werden. Die Busse werden mit Ökostrom versorgt und haben dadurch eine deutlich positivere Energiebilanz, als ein dieselbetriebenes Fahrzeug. Jeweils am Start- und Endpunkt der Ringlinie steht ein Lademast, der die Batterie des Busses in gerade einmal 4 min. über einen am Dach befestigten Pantograph wieder auflädt. Nun fahren seit 2018 drei Elektrobusse im normalen Linienbetrieb durch Hannover. 

 

Die Deutschen verschlafen

Die Üstra sei mit der Umstellung auf Elektrobusse ein Vorreiter in Niedersachsen und auch unter deutschen Großstädten. Die Stadtwerke in Osnabrück versuchen die Hannoveraner jedoch zu überholen. 2022 ist dort das selbstgesteckte Ziel. Bis dahin sollen fünf Buslinien, die in die Innenstadt führen, elektrifiziert werden, sagt Sprecher Marco Hörmeyer. „Dies umfasst insgesamt 62 Elektrogelenkbusse.“ Bisher besitzen die Stadtwerke 98 Busse, die meisten davon sind Diesel. Die ersten 13 Elektrobusse sollen im September geliefert werden. Einfach ist die Beschaffung aber auch in Osnabrück nicht. „Bei unserer ersten europaweiten Ausschreibung hat kein deutscher Hersteller ein Angebot abgegeben“, sagt Hörmeyer. Für die Beschaffung von E-Bussen für die weiteren Linien gebe es noch keinen Zeitplan. Das sei abhängig davon, was auf dem Markt passiert